Die Bojana Kirche befindet sich in dem Außenviertel von Sofia Bojana. Vom Stadtzentrum ist sie mit Auto bzw. mit Stadtverkehr (Bus Nr. 64) in einer halben Stunde zu erreichen. Die Kirche liegt mitten einer wunderschönen Parkanlage, die Ruhe und Abwesenheit anbietet. Die frische kühle Luft des Witoscha Gebirges ist schon zu spüren.

Beim ersten Blick wirkt die Kirche gar nicht spektakulär. Da ist kein großer Bau, ohne jeglichen Ausdruck. Von außen ist wirklich nichts Außergewöhnliches zu merken. Geht man aber nach innen, so erblickt man etwas wirklich Sensationelles. Die Wandmalereien verleihen der Kirche eine einzigartige Schönheit. Man spürt hier die mittelalterliche Kunst und das Renaissance zugleich. Die orthodoxen ikonographischen Vorschriften sind zwar eingehalten, die Gestalten sind jedoch realistisch und lebendig dargestellt.

Das Gebäude ist zweistöckig, errichtet Ende des 10. und Anfang des 11. Jahrhunderts. Sie gehört zu dem Typ zweistöckiger Kirchen-Grüfte. Die untere Etage diente zur Bestattungen und die obere Etage zur Burgkapelle. Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert während des Zweiten Bulgarischen Königreichs erweitert und Mitte des 19. Jahrhunderts fertiggebaut. Die Wandmalereien in der Kirche sind seit 1259, darin gibt es 240 Darstellungen, ein Teil davon unterliegen weiterer Restauration. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb die Kirche über 20 Jahre verlassen und verödet und damit geschlossen für Besucher. Jetzt gilt sie als ein Museum der bulgarischen bildenden Künste.

Die außergewöhnliche Atmosphäre, die in der Kirche herrscht, kommt von dem Ausstrahlen der Fresken. Die Gesichter sind nicht bleich und abgezehrt, was typisch für die Kirchenmalerei jener Zeit war, sondern lebendig und real. Da herrscht nicht nur religiöse Thematik. Dargestellt sind auch historische Personen aus der bulgarischen Geschichte. Eine große Rolle für die Erweiterung der Kirche hat Sewastokrator (bulgarischer Feudalherr) Kalojan gespielt. Der unbekannte Maler aus der Zeit des Mittelalters hat dem Förderer eine Ehre geleistet und damit seine Figur und die Figur seiner Frau Desislawa gezeichnet.

Die strengen Symbole der mittelalterlichen Kunst sind hier aufgelöst. Christus und die Heiligen haben individuelle Züge, gezeichnet vom irdischen Leben. In einem Teil der religiösen Szenen sind Elemente aus der damaligen Lebensweise dargestellt. Die Gesichter der bulgarischen Herrscher sind möglichst authentisch wiedergegeben. Die Augen folgen dem Blick des Betrachters. 200 Jahre bevor sich die bekannten italienischen Meister an die reale Wirklichkeit gewendet haben, schuf hier ein namenloser Maler Werke, die nahe dem realen Leben stehen. Damit hat das italienische Renaissance seinen Vorläufer in dem Meister von Bojana.

Die Fresken von Bojana sind die bedeutendsten Zeugnisse der bulgarischen Wandmalerei im 13. Jahrhundert. Die Kirche von Bojana steht auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

Die Kirche steht offen für Besucher. Ein Reiseleiter berichtet in englischer Sprache Näheres über die Geschichte und die Fresken.